Die Edelweißpiraten gehörten zu den sogenannten „wilden Jugendgruppen“, die in den Jahren 1938/39 entstanden. In diesen Gruppen sammelten sich die Jugendlichen, die sich nicht in der Hitlerjugend (HJ) den aufdiktierten Zwängen beugen wollten. Ihnen gehörten Jugendliche beider Geschlechter an, was die Attraktivität der Gruppen erhöhte, da in der HJ strickte Geschlechtertrennung herrschte.
Die wilden Jugendgruppen entstanden aus der bündischen Jugend, die 1933 verboten worden war. Diese wiederum war aus der 1899 entstandenen Wandervogelbewegung hervor gegangen.
In der Regel bestanden diese Gruppen aus Jugendlichen, die dem Bürgertum zuzuordnen waren. Die bündischen Gruppierungen gaben sich Namen. Die größte Gruppierung waren die Edelweißpiraten. Deren Erkennungszeichen war ein Edelweiß unter dem linken Rockaufschlag oder eine edelweißfarbene Stecknadel.

Die Edelweißpiraten hatten schätzungsweise mehrere tausend Anhänger zwischen 14 und 17 Jahren. Sie besaßen trotz ihrer Antihaltung gegenüber dem Staat kein politisches Konzept und keine gemeinsame Organisation, was sie für die Gestapo später leichter greifbar machte.
Anfangs bestand der Widerstand der Edelweißpiraten in der Durchführung von Fahrten und Zeltlagern, die natürlich vom Regime verboten waren. Dabei trugen sie eine spezielle Fahrtenkleidung, die vor jeder Fahrt abgestimmt wurde. Es wurde mit anderen Gruppen zusammen gezeltet, wobei auch verbotenes bündisches Liedgut gesungen wurde.
Sie lehnten den HJ-Dienst ab, was zwangsläufig zu Konflikten führte. Wurden die Jugendlichen von einem HJ-Streifendienst aufgegriffen, kam es zu einer polizeilichen Vernehmung.

 

Außerdem wurde ihnP8230056 kleinWen im Wiederholungsfall mit schärferen staatspolizeilichen Maßnahmen gedroht. Die Nichtteilnahme oder gar der provozierte Rausschmiss aus der HJ führte unweigerlich zu Schwierigkeiten in der Schule und bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.
Später entwickelte sich spontaner politischer Widerstand, der sich in Prügeleien mit der HJ äußerte. Ebenso wurden Flugblätter mit antifaschistischem Inhalt verteilt und Wandparolen gemalt. Die Nachrichten auf den Flugblättern entnahmen sie zum Teil Feindsendern, die sie heimlich abhörten. Diese Dinge waren allesamt lebensgefährlich.
Die Mitglieder der Gruppierungen trafen sich an den Bunkern, da dies unauffällig war. Rund um die Luftschutzbunker fand in der Regel das alltägliche Leben statt.

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Einige Mitglieder der Edelweißpiraten im Kölner Stadtteil Ehrenfeld beschlossen 1943 in die Illegalität zu gehen. Sie schlossen sich dem Kölner „Nationalkomitee Freies Deutschland“ an. Diese Gruppierung stand unter der Leitung von Hans Steinbrück, der aus einem KZ-Kommando geflohen und bei der Frau eines Freundes untergetaucht war. Sie halfen Juden, Deserteuren und Zwangsarbeitern. Die Aktivitäten der Ehrenfelder Gruppe wurden hauptsächlich von Hans Steinbrink geplant. Zu dieser Gruppe gehörte auch Bartholomäus Schink und seine Freunde. Die Gruppe verübte Diebstähle von Lebensmitteln und anderen lebensnotwendigen Dingen aus Zügen, die am Bahnhof Ehrenfeld abgestellt waren und Nachschub für die Front geladen hatten. Die Beute verteilten sie an bedürftige Leute und Einrichtungen, darunter auch ein Krankenhaus. Später organisierten sie sich auch Waffen, um sich gegebenenfalls zur Wehr setzen zu können. Der Unterschlupf der Gruppe befand sich in der Schornsteinstraße in einem Lagerhaus einer Autowerkstatt.

P8230055 kleinWAnfang 1944 wurden einige der Kerngruppe von der Gestapo festgenommen. Es wird vermutet, dass sie von einem Mitglied verraten worden sind. Unter ihnen war auch der 16-jährige Bartholomäus Schink. Sie wurden ins Gestapo-Hauptquartier (heute EL-DE-Haus) gebracht, wo sie zunächst schwere Misshandlungen erdulden mussten. Es wurden ebenfalls Personen aus dem weiteren Umfeld der Gruppe verhaftet und gefoltert. Die Edelweißpiraten wurden am 10. November 1944 ohne Gerichtsverfahren in der Hüttenstraße (heute Bartholomäus-Schink-Straße) öffentlich erhängt. Unter ihnen waren Heinz Steinbrück und Bartholomäus Schink.
Nach dem Krieg sollte es noch 38 Jahre dauern, bis die Edelweißpiraten nicht mehr auf Grund von Gestapo-Akten als „kriminell“ diskreditiert wurden.

 

Das EL-DE-Haus

Das EL-DE-Haus beherbergte von 1935-1945 das Kölner Gestapo-Hauptquartier. Es ist nach den Initialen seines Erbauers Leopold Dahmen benannt und steht am Appellhofplatz 23-25. Dieser wollte für sein Geschäft, ein Goldwaren- und Uhrengroßhandel, ein gröB2013 10 19012kleinßeres Haus bauen und lebte mit seiner Familie in direkter Nachbarschaft zu dem geplanten Geschäftsneubau. Hierfür ließ er zwei der Nachbarhäuser abreißen. Geplant waren neben dem Geschäft auch Mietwohnungen. Jedoch wurde der Rohbau nach einem Baustillstand im Sommer 1935 von der Gestapo angemietet, die diesen dann für ihre Zwecke umbauen ließ. So entstanden in den Mietwohnungen Büroräume und im ersten Kellergeschoss das Gefängnis mit 10 Zellen. Die Nutzung als Gestapo-Hauptquartier endete erst am 2. März 1945, also kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner.
Das Haus überdauerte den Krieg und die Bombenangriffe auf Köln. Nach dem Krieg wurde durch umfangreiche Anbauten der heutige Zustand hergestellt. Optisch wurde der Bau am Appellhofplatz verdoppelt.
Nach 1945 wurde das Haus zunächst für kurze Zeit von Mietern genutzt, später wurden hier diverse Ämter untergebracht. Darunter auch das Standesamt, was auf einen sehr gedankenlosen Umgang mit der Geschichte dieses Hauses schließen lässt. Seit dem Jahr 2010 hat sich unter anderem das NS-Dokumentationszentrum hier eingemietet und ist seit 2012 alleiniger Mieter. Das Haus gehört nach wie vor der Familie Dahmen. Seit 2012 wurden durch mehrere Umbauten die Räumlichkeiten der Ausstellung und der Gedenkstätte in den heutigen Zustand versetzt. Seit Anfang der achtziger Jahre steht das EL-DE-Haus unter Denkmalschutz.